Ein Projekt von

20 Jahre Sommerwerft – ein freies Theaterfestival feiert Geburtstag

Auch in der Pandemie organisiert protagon e.V. einen Kultursommer für Frankfurt

Seit 2002 verwandelt sich in Frankfurt jeden Sommer das Mainufer in einen bunten Begegnungsraum voller Theater, Musik, Kunst und Kultur. Entstanden aus der Vision einer Gruppe freier Theatermacher*innen wird das Sommerwerft Theaterfestival am Fluss noch immer von zahlreichen Freiwilligen organisiert. Ein einzigartiges Projekt, das seit vielen Jahren die Metropole Frankfurt belebt und auch in der Corona-Pandemie Mittel und Wege findet, künstlerische Auseinandersetzung in den öffentlichen Raum zu bringen.

Entstehungsgeschichte

Die Sommerwerft entstand maßgeblich aus der Initiative einer freien Theatergruppe – antagon theaterAKTion. 1990 in Frankfurt mit der Vision gegründet, Theater aus einem gemeinschaftlichen Prozess zu kreieren und im öffentlichen Raum mit dem Publikum in den Dialog zu treten, stellte die Gruppe bald fest, dass in ihrer Heimatstadt keine Auftrittsstrukturen für Theater im öffentlichen Raum, insbesondere für größere Inszenierungen, vorhanden waren. Nach vielen Jahren, in denen die Theatermacher*innen verschiedenste unkonventionelle Spielorte erforschten, wurde die erste Sommerwerft schließlich im Sommer 2002 als gemeinsames Projekt von protagon e.V. – Freunde und Förderer freier Theateraktion und antagon theaterAKTion ins Leben gerufen: Einen Raum des Zusammentreffens und der Inspiration von und für Künstler*innen zu schaffen, für Theater im öffentlichen Raum, experimentelle Kultur und Kunstaktionen.

Der Standort der Weseler Werft am Mainufer fand sich nach einem Gespräch mit dem Direktor der benachbarten Großmarkthalle, erinnert sich Bernhard Bub, künstlerischer Leiter des Festivals: „Der saß damals in einem schon ziemlich leeren Büro und sagte zu mir: ‚Hier geht alles dem Ende zu, aber da unten ist vielleicht euer Platz‘“. Und so prägen seit den Anfängen die alten Hafenkräne, Lastschiffe und Lagerhallen den Schauplatz des Festivals.

Nach den ersten Jahren, in denen die Sommerwerft Eintritt kostete, kam 2008 der Befreiungsschlag – endlich entstand das Festival, wie es eigentlich sein sollte: Offen nach allen Seiten und frei zugänglich für alle. Damit begann auch das Wachstum – von 15.000 Besuchern in 17 Tagen auf mehr als 100.000 im Jahr 2019. Viele Theater- und Tanzproduktionen aus aller Welt bereicherten über die Jahre die Werft mit spektakulären und berührenden Performances – Kooperationen, die oft über Verbindungen aus den internationalen Tourneen von antagon entstanden. Bernd Abraham, Vorstandsmitglied von protagon e.V. erinnert sich etwa an ‚Arka‘ vom Teatr Osmego Dnia aus Polen, die mit einem fahrenden Schiff die Promenade bespielten.

Ein Kulturfreiraum für alle

Nach den Besonderheiten der Sommerwerft gefragt, nennen die Organisatoren vor allem den freien, nicht kommerziellen Charakter des Festivals, das auch nach 20 Jahren trotz fortschreitender Professionalisierung noch immer hauptsächlich von ehrenamtlichen Helfer*innen aus Frankfurt und aller Welt gestemmt wird. Bis zu 150 Menschen bilden für die Dauer des Festivals und darüber hinaus eine Lebens- und Arbeitsgemeinschaft aus Künstler*innen, Techniker*innen, Köch*innen, Helfer*innen etc. „Das ist wie ein kleines ‚Festival im Festival‘ hinter den Kulissen, und dieser kollektive Geist prägt eben auch die Atmosphäre auf dem Gelände“ meint Bernhard Bub: „Es geht darum, den Platz gemeinsam als Gesamtkunstwerk zu gestalten und so einen für alle offenen Kulturfreiraum zu schaffen. Denn alle haben ein Recht auf den öffentlichen Raum“

Seit den Anfängen haben verschiedenste Kunst- und Aktionsformen eine Heimat auf der Sommerwerft gefunden: Vom Theater und Tanz über Musik, Film, Installationen bis hin zu Poetry-Slam, Capoeira oder Graffiti. Ein wichtiger Teil war aber auch immer die Auseinandersetzung mit künstlerischen und politischen Themen in Symposien, Workshops und Diskussionen, in denen für das Publikum Mitgestaltung und Teilhabe an einer politischen und kulturellen Vision Realität wurde. Besonders im Kontrast zum benachbarten Turm der Europäischen Zentralbank sei das von Bedeutung, meinen die Veranstalter. Denn da, wo Menschen ohne Konsumorientierung zusammenkommen, gemeinsam kreieren und in den Austausch treten, werde eine echte Alternative greifbar. So ist auch nach 20 Jahren die ursprüngliche Vision der Sommerwerft noch lebendig: Ein Ort, der Theaterkultur als wichtigen Teil des gesellschaftlichen Prozesses begreift; ein Ort zum Durchatmen, Staunen, Inspirieren lassen; schließlich ein Ort, der auf das Leben aufmerksam macht.

In der Corona-Pandemie setzt der Verein auf mutige und innovative Lösungen, um diesen Ort auch unter den erschwerten Bedingungen zu erhalten. Aufbauend auf den Erfahrungen aus 2020, als die Sommerwerft die größte Kulturveranstaltung in Hessen war, kann mit einem ausgefeilten Hygienekonzept auch dieses Jahr das Festival sicher, bunt und friedlich stattfinden, dessen sind sich die Veranstalter sicher.

protagon e.V. dankt den Förderern und Partnern.



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